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Ein Lebenswerk an Reformen
June 30, 2023
Author: Peter Wild
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„Wenn wir bewahren wollen, was wir haben, müssen wir vieles ändern.“ Das war ein Wahlspruch von Stammapostel Richard Fehr, der am 30. Juni vor zehn Jahren gestorben ist. Heute gehen noch viele Neuerungen auf seine Initiative zurück – ein Überblick.
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Stammapostel Richard Fehr während einer Predigt
Foto: heimifoto / Ludwig Heimrath
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Der Stammapostel und das Internet
Foto: Archiv
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Stammapostel Fehr begutachtet die Übertragungstechnik
Foto: Archiv
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Während seiner Amtszeit veränderte er weltweit Strukturen
Foto: Archiv
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Stammapostel Fehr während einer Audienz beim König von Kambodscha
Foto: NAK Zentralarchiv
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Er lernte während seiner Reisen gerne andere Kulturen kennen
Foto: Archiv
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Er war bei den Kindern sehr beliebt
Foto: Archiv
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Stammapostel Fehr überprüft die Qualität der Hostien
Foto: Archiv
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Während eines Interviews
Foto: Archiv
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An Pfingsten 2005 ordiniert Stammapostel Richard Fehr Wilhelm Leber zu seinem Nachfolger
Foto: Archiv
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Sonia und Richard Fehr bei ihrer Goldenen Hochzeit
Foto: Archiv
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Im Alter wurde er krank
Foto: Marcel Felde
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Drei Stammapostel auf einem Bild: Jean-Luc Schneider, Richard Fehr und Wilhelm Leber 2013
Foto: NAK International
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Die Trauerfamilie
Foto: Bernhard Holdener
In seiner Amtszeit ließ der Stammapostel etliche Lehraussagen präzisieren. Zum Beispiel:
- Lehrauffassung zur ersten Auferstehung (Offenbarung 20,6)
- Sündenbegriff (Unterschied zwischen Sünde und Schuld)
- Evolutionstheorie (wissenschaftliche Erkenntnisse kein Widerspruch zu Aussagen der Bibel)
- Die große Trübsal“ (Zeit vom heilholenden Kommen Christi bis zum abermaligen Kommen des Herrn mit seiner Gemeinde)
- Zahl 144.000 (ist symbolisch zu deuten; das sind jene Seelen, die von Christus bei seinem Erscheinen angenommen werden)
- Schlüsselgewalt und Schlüsselvollmacht (Vollmacht und Auftrag Stammapostelamt, Lehre zu bewahren und fortzuentwickeln)
Diese Arbeit an der Lehre endete 2002 in dem Beschluss, ein neues Grundlagenwerk über den neuapostolischen Glauben erstellen zu lassen: den Katechismus.
Einschneidend waren auch die Veränderungen im Bereich Liturgie und Theologie:
- Wegfall des zweiten Gottesdienstes am Sonntagnachmittag ab 1998
- Einführung der deutschen Lutherbibel in Revision von 1984 ab Januar 2001
- Einführung der englischen New King James Bibel ab Januar 2002
- Verzicht auf Besetzung des Unterdiakonen-Amtes sowie Beginn von Seminaren mit dem Titel „Gehaltvolle Predigt“ ab Januar 2002
- Leitbild „Dienen und Führen“ für Amts- und Funktionsträger
Stammapostel Fehr veränderte die institutionelle Arbeitsweise der Kirche. Er gründete rund 20 Projekt- und Arbeitsgruppen zu Themen wie „Gegenwartsfragen“ oder „Jugendpflege“, die Stellungnahmen zu offiziellen Kirchenpositionen erarbeiteten. Seit Beginn des neuen Jahrtausends kamen auch zukunftsweisende Themen wie „Finanzstrategie“ und „Kirchen-strategie“ hinzu.
Auch die Strukturen der Gebietskirche unterlagen dem Wandel:
- Zusammenlegungen (Mitteldeutschland, Norddeutschland, Süddeutschland)
- Aufteilungen (Kanada und USA)
- Neuzuordnung von betreuten Ländern Verantwortungsbereiche (Indien und Teile Westafrikas)
Während seiner Amtszeit vollzog die Neuapostolische Kirche eine vorsichtige ökumenische Öffnung. Maßgeblichen Anteil daran hat die Projektgruppe „Ökumene“, die Stammapostel Fehr selbst am 28. Oktober 1999 gründete. Außerdem intensivierte er die unter Stammapostel Hans Urwyler begonnenen Kontakte zu anderen apostolischen Gemeinschaften.
Im karitativen Bereich rief der Kirchenleiter in den 1980er-Jahren zu einem besonderen Dankopfer am Erntedanktag auf, das für humanitäre und karitative Aktivitäten weltweit verwendet wurde. Besonders förderte er die Gründung des deutschen Hilfswerkes „NAK-karitativ“.
Auch bei Lehrwerken und Musik setzte Stammapostel Fehr Impulse: Er
- erteilte den Auftrag, neue Lehrwerke für Sonntagsschule („Herr Jesu, komm“), Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht („Auch ich will …“) zu konzipieren.
- ließ ein neues Jugendkonzept erstellen, das im April 2004 verabschiedet wurde.
- ließ für dem deutschsprachigen Raum ein neues Gesangbuch erarbeiten, das kurz vor Ende seiner Amtszeit fertiggestellt wurde und seit Ostern 2005 verwendet wird.
Ein besonderes Anliegen war ihm die Öffentlichkeitsarbeit: Er
- installierte 1996 einen Medienreferenten und Kirchensprecher der NAK.
- unterstützte den Internetauftritt der Neuapostolischen Kirche.
- regte die Gebietskirchen zu mehr Öffentlichkeitsarbeit an.
- förderte den Auf- und Ausbau von Bild- und Tonübertragungen.
Kaum aufzuzählen sind die großen und kleinen Entscheidungen, mit denen während seiner 18-jährigen Amtszeit auch die neuapostolische Kultur veränderte. So setzte er sich für eine deutliche Liberalisierung der strengen Verhaltensregeln innerhalb der Kirche ein. Manches menschliches „Gebötlein“ – wies er es nannte – ist seitdem längst aufgehoben.
Diese Artikel ist in einer ausführlicheren Fassung ursprünglich in der Zeitschrift „UF spezial“, Ausgabe 3/2013, erschienen.